Genetisches Screening bei Ashkenazim-Juden

ALLGEMEINES

Die Vorfahren der Ashkenazim-Juden stammen ursprünglich aus Mittel- oder Osteuropa (Russland, Polen, Deutschland, Ungarn, Litauen, etc), wo diese jüdische Population Jahrhunderte relativ isoliert lebte und sich kaum mit der lokalen Bevölkerung vermischte. Aus diesem ist die Inzidenz von seltenen genetischen Krankheiten resp. die Frequenz gesunden Überträgern (vgl. unten) für diese Krankheiten im Vergleich zur übrigen europäischen resp. kaukasischen Population erhöht. In Israel wie auch in den USA gibt es deshalb schon lange Ashkenazi-Screeningprogramme für Ashkenazi-Paare, die einen Kinderwunsch haben.
Zu den häufigen und schweren genetischen Leiden in dieser Population gehören nachfolgende Krankheiten, wobei die Trägerfrequenz in Klammern aufgeführt ist: Tay-Sachs-Krankheit (1:30) , Canavan-Krankheit (1:36), Morbus Gaucher (1:15), familiäre Dysautonomie (1:30), Niemann-Pick-Krankheit Typ A (1 in 90), Fanconi-Anämie (1 in 89), Bloom-Syndrom (1 in 100) und Mukolipidose Typ 4 (1 in 127). Daneben ist auch die cystische Fibrose (1:29) resp. das fragile X-Syndrom relativ häufig.
Falls nicht bereits eine der erwähnten Krankheiten in den Familien eines ratsuchenden Paares vorgekommen ist, kann das Screening auf die relativ häufigen Krankheiten beschränkt werden.
Die Abklärung erfolgt üblicherweise vor Eintritt einer Schwangerschaft (vgl. auch Präkonzeptionelles Screening) oder spätestens bei der ersten resp. zweiten Schwangerschaftskontrolle. Durch die einmalige Trägerabklärung (Heterozygotentest) bei der Patientin oder beim Partner wird bei unauffälligem Resultat das Risiko für eine der untersuchten Krankheiten bei Nachkommen massiv reduziert oder gar ausgeschlossen. Identifiziert man aber durch das Screening ein Paar mit grossem Risiko für betroffene Nachkommen, ist eine genetische Beratung zur Diskussion der Optionen (gezielte Pränataldiagnostik oder Alternativen zur Erfüllung des Kinderwunsches) indiziert und kassenpflichtig.

AUFTRAG: Diverses: Ashkenazi-Screening

Trägerabklärung (Heterozygotentest) auf Cystische Fibrose (CF), Tay-Sachs (HEXA), Gaucher (GBA), Canavan (ASPA), Fanconi Anämie (FANCC), fam. Dysautonomie (IKBKAP) und fragiles X-Syndrom (FRAXA)

METHODE

Ausser FRAXA-Analyse mittels PCR und Schmelzkurvenanalyse (HRM) zur Erfassung der häufigsten Mutationen:

  1. Cystische Fibrose (CF): F508del, G542X, G551D, I507del, N1303K, R117H, R334W, R347H, R347P, R553X, R560T, S549N, S549R, V520F, W1282X, 1717-1 G->A, 3849+10kb C->T, 3876delA, 3905 ins T, IVS8 Poly-T-Status
  2. Tay-Sachs (HEXA): R247W, R249W, G269S, IVS9+1G>A, 1278insTATC, IVS12+1G>C
  3. Gaucher (GBA): IVS2+1G>A, 84>G>GG, N370S, L444P
  4. Canavan (ASPA): Y231X, E285A, A305E
  5. Fanconi Anämie (FANCC): 322delG, IVS4+4A>T
  6. Fam. Dysautonomie (IKBKAP): R696P, IVS20+6T>C
  7. FRAXA: PCR/TP-PCR mit Erfassung von Normal-, Prämutations- und Expansionsallelen

SENSITIVITÄT

Krankheitsrisiko bei allfälligen Nachkommen nach unauffälligem Screeningtest bei Patientin (ohne Testung Partner):
Cystische Fibrose (Sens. 94%): 1:55’000, Tay-Sachs (Sens. 98%): 1:175’000, Gaucher (Sens. 89%): 1:7’700, Canavan (Sens. 99%): 1:504’000. Fam. Dysautonomie, Fanconi Anämie und fragiles X-Syndrom (Sens. 98-99%) praktisch vernachlässigbar.

UNTERSUCHUNGSMATERIAL

EDTA-Blut minimal 1 ml
Weitere Angaben zu Präanalytik

DAUER

2 Wochen

KOSTEN

Diese Leistung ist nicht kassenpflichtig. Fr. 650.-

AUFTRAGSFORMULAR

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Akkreditierter Test

NEU 22.12.2010

Ashkenazi Screening um zwei weitere Krankheiten ergänzt: Fanconi Anämie und fam. Dysautonomie

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